rezension: defy

DefyTitel: Defy
Autorin: Sara B. Larson
Teil einer Series: Defy, #1
Verlag: Scholastic Press
Seitenzahl: 336
Kurz und knapp: Temporeiche, fesselnde und kraftvolle Story
Alexa Hollen is a fighter. Forced to disguise herself as a boy and serve in the king’s army, Alex uses her quick wit and fierce sword-fighting skills to earn a spot on the elite prince’s guard. But when a powerful sorcerer sneaks into the palace in the dead of night, even Alex, who is virtually unbeatable, can’t prevent him from abducting her, her fellow guard and friend Rylan, and Prince Damian, taking them through the treacherous wilds of the jungle and deep into enemy territory. The longer Alex is held captive with both Rylan and the prince, the more she realizes that she is not the only one who has been keeping dangerous secrets. And suddenly, after her own secret is revealed, Alex finds herself confronted with two men vying for her heart: the safe and steady Rylan, who has always cared for her, and the dark, intriguing Damian. With hidden foes lurking around every corner, is Alex strong enough to save herself and the kingdom she’s sworn to protect?

Ich bin nie ein großer Fan von High Fantasy gewesen. Beziehungsweise: Wenn ich High Fantasy lese, dann muss die Geschichte gut sein, mich total in den Bann ziehen können, mich das “echte Leben” um mir vergessen lassen, mich fesseln können. Ansonsten ist mein ganzer Tag versaut. Denn auch wenn es sich komisch anhört: Obwohl dieses Genre natürlich zum Fictionbereich gehört, verliere ich häufig den Überblick in miesen High Fantasy-Büchern, die von miesen Autoren geschrieben werden, die miese (Magie)Welten mit einer schwachen (oder leicht durchschaubaren) Handlung erschaffen  (wie z.B.: die böse Zauberermacht muss besiegt werden, weshalb sich der Protagonist mal eben mit ein paar Buddies auf eine gefährliche Reise begiebt, um des Rätsels Lösung zu finden), dass letztendlich die ganze Geschichte nur noch lächerlich und – ja ich weiß, es ist fast dasselbe Wort – lachhaft ist.

Und trotzdem gelingt es der Autorin, mit ihrem Debütroman aus diesem Genre hervorzustechen, indem der Schwerpunkt dieses Buches einfach verlegt wurde. Denn egal wie die Handlung ist; überwältigt wird man immer wieder von den Gefühlen, die durch das Buch hervorgerufen werden. Es gab so viele Sachen, die ich an diesem Buch mochte!

Bereits im Prolog wird ein Thema aufgegriffen, was in vielen Geschichten einfach nicht natürlich rüberkommt (oder zu 0815 beschrieben wird): Der Schmerz, wenn man fast die ganze Familie verliert, denn die Eltern der Hauptcharakterin Alexa werden bereits am Anfang von der Armee getötet. Nur in letzter Sekunde kann sie sich mit ihrem Zwillingsbruder Marcel retten, muss sich aber als Preis für immer als Junge verkleiden, um nicht als Mädchen im “Zuchthaus” insbesondere von Soldaten missbraucht und vergewaltigt werden, um Jungen für die Armee zu gebären. Bereits hier nimmt die Autorin keinen Blatt vor dem Mund; stattdessen wird das Unrecht und die Gewalt, die in dem Königreich herrschen, unzensiert beschrieben.
Auch die Liebe zu ihrem Bruder bleibt weiterhin durchgehend eine Konstante in Alexas Leben, was überraschend für mich kam, da starke Beziehungen zu Geschwistern häufig in Büchern untergehen oder nur nebensächlich sind; aus der ausgeprägten Zuneigung zu ihrem Bruder und Liebe zu ihrer Familie zieht Alexa immer wieder Kraft im Kampf für die Sicherheit ihres Königsreiches.Mulan

Zudem wird Alexa nicht als hilflose, selbstsüchtige, überstürzthandelnde und hirnlose Person dargestellt, sondern als starke, von Schicksalsschlägen gezeichnete, aber dennoch pflichtbewusste Kämpferin, die es bis in die “Elitegarde” des Kronprinzens Damian schafft. Kein Mann reicht an ihre Kampfgeschick. In Prinzip ist sie wie eine bessere Version von Mulan – sie ist in Prinzip durch ihren Vater sogar Halb-Chinesin, da die Welt, in der sie lebt, in drei Königreiche eingeteilt ist: Blevon (asiatisch), Antion (weiß – die Heimat von Alexa) sowie Dansiian (“afrikanisch”). Antion befindet sich schon seit Längerem mit Blevon im Krieg, da blevonesische Zauberer einst die Königin von Antion töteten. Seitdem ist Zauberei eine Schande in Antion und verboten.

Wie es aber sein musste, gab es auch in diesem Buch ein Liebesdreieck, womit der Verlag im Klappentext eigentlich auch bei den Lesern wirbt. So war es in diesem Buch Rylan, ein Freund Alexas aus der Elitegarde um den Prinzen, sowie Prinz Damian selber. Wie gerne hätte ich es gesehen, dass Rylan einfach Alexas bester Freund gewesen wäre. Trotzdem blieb er ein bodenständiger und loyaler Charakter, der in vielen Hinsichten Alexas Schmerz und Hoffnungen teilen konnte. Denn Alexa ist nicht immer das unbesiegbare Mädchen; letztendlich ist ihr Leben (wohlgemerkt als Junge) nur ein Image, das sie sich selber erschaffen musste und für was sie hart kämpfen musste, um ihr Leben zu sichern; sie wird für Sachen anerkannt, die sie nicht als vollständigen Mensch erbracht hat.
Was wiederum Damians und Alexas Beziehung ausmacht, ist die Seelenverwandtschaft, die die beiden verbindet: Pflichtbewusstsein, Empathie füreinander, Zukunfstvisionen. Immer mehr müssen sie sich eingestehen, dass ihre Leben viel mehr Parallelen aufweist, als es auf dem ersten Blick aussieht. Dabei wird im Buch immer wieder betont, wie wichtig Vertrauen ist. Denn das Vertrauen von ihnen wird mehr als einmal auf Probe gestellt, was natürlich auch überraschende Wendungen im Buch auslöste. Lernt man Damian am Anfang noch als trägen, lustlosen und oberflächlichen Prinzen kennen, löst sich seine Fassade mit der Zeit immer mehr auf und man erkennt, wie verzweifelt seine innere Lage ist, er jedoch seine Hoffnung für eine bessere Zukunft seines Königreiches nicht aufgeben kann. So tasten er und Alexa sich immer mehr aneinander an, bis sie wissen, dass eine Trennung nur in Herzschmerz enden wird. Und Damians letztes Geheimnis…damit hätte ich nicht gerechnet!
Insofern war das Liebesdreieck nicht so störend für mich, weil 1. Alexa sich entscheiden kann, und 2. der die wahren Gesichter aller drei Hauptcharaktere zum Vorschein brachte und sie dazu zwang, sich selber treuer zu werden.

Obwohl das Buch in einer “anderen Welt” spielt, werden immer wieder Fragen aufgeworfen, die eine Allgemeingültigkeit haben. Was ist z.B. mit deinem wahren Ich, deiner eigenen Identifikation, wenn du dich ständig verstecken musst? Inwiefern würdest du dich selber opfern, wenn du mit deinem selbstlosen Handeln eine bessere Welt für deine Liebsten ermöglichen könntest? Was ist, wenn die Pflicht versagt? 

Defy ist ein bild- und wortgewaltiges Buch über Familie, Freundschaft, innere Stärke und der ewige Kampf für die eigenen moralisch-gerechten Träume. Ich kann es kaum erwarten, den nächsten Band zu lesen (welches leider erst nächstes Jahr im Januar rauskommt) und mehr solche guten High Fantasy-Bücher zu lesen!

5CC

#TeamDamian for the win

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