Rezension – Zeitrausch: Spiel der Zukunft

SpielDerZukunft

Titel: Zeitrausch – Spiel der Zukunft
Autorin: Kim Kestner
Verlag: Carlsen Impress
Seitenzahl: 383
Kurz und knapp: Kickass, raffiniert, teilweise schnulzig

Es soll die phänomenalste Fernsehshow werden, die es je gegeben hat: Die Linearität der Zeit wird aufgehoben, Menschen werden quer durch die Jahrhunderte geschickt und vor Herausforderungen gestellt, die im Falle eines Scheiterns ganze Generationen auslöschen können. So etwas hat es noch nie gegeben. Noch nie. Außer für Alison. Als man sie am 31. August 2015 für die erste Staffel ins 25. Jahrhundert holt, ist sie bereits vorbereitet. Sie hat dieses Spiel schon einmal gespielt, sie kennt seine Regeln, sie kennt ihre Zukunft. Und sie weiß, dass sie Kay wiedertreffen wird – einen jüngeren Kay, der sie noch nie zuvor gesehen hat. Doch auch sie weiß nicht alles… 

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Meine Meinung

Es ist nun ungefähr drei Monate her, seit ich den ersten Band der Zeitrausch-Trilogie gelesen habe, weshalb ich eigentlich kaum Schwierigkeiten hatte, in das Buch wieder reinzukommen. Zeitrausch – Spiel der Zukunft knüpft fast direkt an die Handlung aus dem ersten Buch an. Alison in diesem Buch also war bereits in der Zukunft (nämlich im ersten Band), weshalb sie weiß, dass sie – zurück in der “Gegenwart”, d.h. am Anfang des Buches – in die Show einberufen werden wird. So führt sie selber einen eigenen Bootcamp durch, um sich angemessen darauf vorzubereiten. Schon die ersten paar Seiten des Buches konnten mich in den Bann ziehen: Man spürt förmlich, was für ein Kämpfermensch in Alison steckt. Mit viel Selbstdisziplin und Entschlossenheit bereitete sie sich auf die Show vor, sowohl auf wissenschaftlicher und körperlicher Ebene, was mich sehr beeindrucken konnte. Angetrieben wird sie durch den Gedanken, Kay bald wiedertreffen zu können – wäre nicht das Problem, dass er sie gar nicht erkennt bzw. kennt sie überhaupt noch nicht kennt. Ihre Versuche, ihn wieder “aufzuwecken” bieten viele amüsante Stellen im Buch.

Wenn es etwas an diesem Buch nicht mangelt, dann ist es Spannung (und Romantik. Aber dazu komme ich noch). Auch dieser Band erinnert wieder überraschend an Panem. Nicht nur in der technologischen Hinsicht ist die Welt, die Kim Kestner erschaffen hat, äußerst fortgeschritten und über-innovativ; auch die Krankhaftigkeit, mit der die Zuschauer die Show aufnehmen, zeigt leichte Parallelen zu der Panem-Welt, was aber nicht störend ist. Denn dass das Buch ein billiger Abklatsch von Suzanne Collins’ Büchern ist, kann man auf keinem Fall sagen! Viel mehr spinnt die Autorin die Idee einer höchst ambivalenten Welt weiter: Menschen, die, nur um unterhalten werden zu können, Menschen aus der Vergangenheit leiden lassen. Was aber nicht bedeutet, dass sich Alison dadurch runterkriegen lässt.
Alison ist eine Person, die man einfach mögen muss! Sie hat all diese guten Charaktereigenschaften, die man sich bei einer perfekten Hauptcharakterin wünscht, bei guten Buchheldinnen. Sie ist nicht perfekt im Sinne von makellos. Viel mehr handelt sie manchmal zu übereifrig, (am Anfang des Buches ist sie zu dünn,) zu überstürzt, aber nicht im Sinne von übernaiv. Denn was bei ihr heraussticht, ist ihre Kickasshaftigkeit. Sie ist konsequent. Willenstark. Mutig.
Diese taffe Art wirkt sich auch auf den Schreibstil aus. Die fluffige und überaus weiche Schreibart findet man in diesem Buch – bis auf die romantischen Stellen – kaum noch; viel mehr spür mant, wie reif Alison geworden ist. Darüber hinaus ist das Setting im Buch überaus gut gewählt. Die Geschichte spielt überwiegend in Amerika zum Ende des 19. Jahrhunderts ab, wo es also tatsächlich noch Indianer und Goldgräber gab; diesen historischen Flair hat die Autorin gut im Buch übertragen

Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mich ab und an in der Geschichte verloren fühlte – bzw. in der Zeit. Wie nämlich schon angedeutet, ist das Zeitreisen, das Kim Kestner in ihrer Serie verwendet, einzigartig und für den normalen Leser sehr kompliziert zu verstehen – nämlich die Viele-Welten-Theorie. Für alle, die diese Zeitreisetheorie nicht kennen – ich kann sie auch nicht erklären. Deshalb ein Tipp an alle potenzielle Leser: Man muss einfach den Zeitverstand abschalten. Die Handlung hinsichtlich der Zeit ergibt im Nachhinein nämlich total Sinn, denn ja – ich habe auch, nachdem ich das Buch bereits zu Ende gelesen habe, noch lange über das Buch nachgedacht (und Google hat geholfen).
Auch gibt es zwischendurch ein paar Stellen (bzw. nur eine einzige, nämlich wenn Alison total auf sich allein gestellt durch Amerika im 19. Jahrhundert wandert), die relativ handlungsarm und insofern auch sehr langatmig sind. Ein paar Seiten weniger hätten dem Buch sicherlich nicht geschadet.
Zum Romantikteil kann man sagen: Top. Insbesondere zu Beginn des Buches ist es ein Riesenspaß, die Gespräche zwischen Alison und Kay mitzuverfolgen, da sie wie Gegensätze zu sein scheinen und ihre Hauptaufgabe eher darin besteht, sich nicht gegenseitig fertigzumachen. Zwischendurch allerdings ging es mir zu sehr ins Schnulzige rüber. Natürlich vermisst Alison Kays Zuneigung und ihr ist sicherlich auch bewusst, dass sie nicht zu vieles erwarten darf, sondern stark bleiben muss; allerdings sieht man einfach, dass sie Eigentore durch ihre Naivität macht – Liebe macht blind hin oder her. Auch dass sie dadurch einige Intrigen der Showmacher von Top The Realities nicht erkennt, die Kays Rolle ausnutzen, war mir ab und zu doch zu viel des Guten. Trotzdem aber kann man nicht anders, als die beiden als Paar richtig ins Herz zu schließen. Als Paar sind sie so viel besser als alleine – und das wirkt sich bis auf deren eigene Persönlichkeit aus. Trotzdem aber hätte ich mir gewünscht, dass ein fließenderer Übergang zwischen “Kay ist arrogant, verliebt sich aber trotzdem langsam in Alison” und “Kay würde bis ans Ende der Welt für Alison gehen” gewesen wäre. Kays “Gefühlsübergang” war mir dann doch ein Tick zu abrupt.
Die Spannung im Buch hält bis zum Ende an. Das Ende. Es ist zufriedenstellend, da das Buch für mich an sich fast abgeschlossen ist; man merkt aber, wie sich die Serie dem Schluss nähert. Und wäre da nicht der gemeine Cliffhanger. Ich STERBE schon fast vor Erwartung auf den letzten Band der Serie.

Zeitrausch – Spiel der Zukunft ist ein Buch, das seinem Vorgänger definitiv in nichts nachsteht. Es ist ein Buch, das Spaß macht zu lesen, da vor allem durch die anfangs unterschiedliche Charaktereigenschaften Alisons und Kays zwei unterschiedliche Welten sozusagen aufeinander treffen und dies eindeutig ein urkomische-Situationen-Garant ist. Besonders für Fans von Zeitreisegeschichten mit viel Action ist die Serie absolut empfehlenswert.

4CC

Vielen Dank an Carlsen Impress für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! 

 Ps: Ich frage mich, wie der 3. Band heißen wird. Zeitrausch – Spiel der Gegenwart?

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