Rezension: Die Stunde der Lilie

Stunde der LilieTitel: Die Stunde der Lilie
Autorin: Sandra Regnier
Verlag: Carlsen Impress
Seitenzahl: 305
Kurz und knapp: Charmant, lebendig, originell.

Es sollte ein gewöhnlicher Ausritt nach einem anstrengenden Schultag werden. Niemals hätte sich die sechzehnjährige Julia träumen lassen, dass es sie an der mit Lilien gesäumten Weggabelung aus dem Deutschland der Gegenwart ins Frankreich des 17. Jahrhunderts verschlagen würde. Und das ohne eine Möglichkeit der Rückkehr. Von einem Tag auf den anderen muss sich Julia den Sitten des Versailler Königshofes anpassen und zu allem Übel auch noch Französisch lernen. Glücklicherweise bekommt sie jedoch einen einflussreichen Vormund an die Seite gestellt: Etienne Flémont, den Grafen von Montsauvan. Ein Mann, der ihr Schicksal noch weitreich beeinflussen soll … 

AbtrennungSchon einmal vorab: Das Buch ist einer der einfallsreichsten, originellsten und witzigsten Jugendromane, die ich seit Langem gelesen habe! Die Geschichte dreht sich um Julia, ein 16-jähriges Mädchen, das von einem Moment auf den anderen aus ihrer Heimat in der Eifel (im 21. Jahrhundert wohlgemerkt!) nach Versailles ins 17. Jahrhundert gerissen wird — wie bleibt vorerst unklar. Dass ein kleiner gesellschaftlicher Skandal bei ihrem plötzlichen Auftauchen entsteht, ist mehr als selbstverständlich. Anstatt jedoch einen “Lettre de cachet” (was Julia am meisten befürchtet) von Ludwig XIV. höchstpersönlich zu bekommen – die berüchtigten Haftbefehle des Königs ohne jegliches Recht auf Gerichtsverfahren – wird ihr Etienne, der Graf von Montsauvan, als persönlicher Lehrer und Mentor zugeteilt, sodass sie innerhalb kürzester Zeit fest integriert am französischen Hof sein soll.

Als Leser also begleitet man Julia bei ihrer Verwandlung vom gewöhnlichen Mädchen zur französischen Mademoiselle, was durch einfallsreiche und sarkastische Kommentare von ihrer Seite aus zum reinsten Lesespaß wird, sodass man gar nicht anders kann als von ihrer komischen Gerissenheit begeistert zu sein. So kommt es, dass Julia nicht nur eine sympathische Hauptcharakterin ist, sondern auch mit ihrem Witz und Verstands in so gut wie jeder Situation überzeugt, egal wie tollpatschig sie ist — nicht nur ist sie die reinste Niete in Französisch, nein, zusätzlich zum Intensivkurs Französisch mit Montsauvan kommen noch unendlich viele Reitstunden (im Damensattel!), Musikunterricht in Gesang und weiteren Hipster-Instrumenten, sowie unzählige Stunden in Tanzen und Etikette am französischen Hof hinzu. Dass sie mit ihrer lockeren Art einen krassen Kontrast zu Montsauvan darstellt, der am Anfang als eine ziemlich verkniffene und trockene Person beschrieben wird, ist mehr als amüsant! Tatsächlich scheint er zu Beginn nur der unnachgiebige und undurchschaubare Lehrer von Julia zu sein (der nichtsdestotrotz ein “Highflyer” am Hofe des Sonnenkönigs ist und manchmal sehr anziehend sein kann), der sich ihr jedoch nach und nach gegenüber auch öffnet, wobei Julias Kratzbürstigkeit dazu wesentlich beiträgt (endlich keine Protagonisitin, die nicht liebestoll wird!!). So entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden, obwohl man eigentlich nicht anders kann, als Montsauvans außergewöhnlichem Charme zu erliegen.

Als totale frankophile Person war mir eine die historische Richtigkeit bis zu einem bestimmten Punkt sehr wichtig, weshalb ich es umso beeindruckender  fand, wie bildgewaltig und anschaulich tatsächlich das Buch letztendlich ist. Regnier gelingt es, Versailles in aller Pracht (zumindest das, was zu diesem Zeitpunkt schon vorhanden ist) im 17. Jahrhundert darzustellen; ihre Liebe ins Detail spürt man in jeder einzelnen Seite, sodass das Buch insgesamt sehr lebendig wirkt. Auch die Mystik um die Persönlichkeit von Ludwig XIV. findet sich in Die Stunde der Lilie wieder, genauso wie die Intrigen des höfischen Lebens deutlich zu Vorschein kommen. Regnier weiß es, man Fiktion und historische Richtigkeit miteinander zu verweben, sodass beide Aspekte nahtlos zusammengeführt werden, ohne dass irgendein Kitsch entsteht.  Es hat mehr als Spaß gemacht, Julia und Etienne Leben beim Aufdecken von Komplotten zu begleiten, genauso wie den Rausch der Kleider und Bälle im 17. Jahrhundert mitzuerleben.

Insgesamt beinhaltet das Buch so ziemlich ALLES, was ich an guten Büchern mag: Ein bis zur letzten Seite spannender Plot, witzige Unterhaltungen, eine schlagfertige Hauptcharakterin, eine süße Liebesgeschichte, das beste Setting überhaupt und sehr viel französischer Charme. Die Stunde der Lilie ist, ohne Frage, einer der besten Bücher, die ich dieses Jahr, wenn nicht sogar einer der besten Zeitreise-Romane, diein meinem ganzen Leben gelesen habe. Ich kann es kaum erwarten, das zweite Buch und abschließenden Band der Dilogie nächstes Jahr zu lesen!

5SchmetterlingVielen Dank an Carlsen Impress für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

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